Seite aktualisiert am 26. Juli 2011

Genealogie - Informationen

Bullet

Was ist Genealogie?


Zuerst ist Genealogie ein schönes Wort, wenn man nicht von Ahnenforschung sprechen will :-)
Wikipedia zufolge handelt es sich um eine historische Hilfswissenschaft, die sich mit der Erforschung unser Ahnen beschäftigt. Wer glaubt, dass es sich bei der Genealogie um das reine Aufschreiben der Vorfahren in Form eines Stammbaumes geht, täuscht sich. Oft fängt man bei der eigenen Familie an aber wer möchte, kann sich auch mit einer bekannten Persönlichkeit oder einem ganzen Ort beschäftigen. Wer einmal begonnen hat und nicht bei Oma und Opa aufhört, wird feststellen, dass es um mehr als eine Auflistung von Namen geht. Viele glauben, dass die Ahnenforschung ein langweiliges Thema ist, bei der Suche nach neuen Informationen gibt es aber immer wieder Herausforderungen, die gemeistert werden wollen: Man muss evtl. alte Schriften oder Sprachen lernen, sich in alte Karten vertiefen oder ganze Königshäuser untersuchen. Und plötzlich ist man nicht nur dabei herauszufinden, wie der eigene Ururgroßvater hieß, sondern lernt erstaunliche und teilweise erschreckende Dinge über das Leben. Man entdeckt auch alte Berufe oder Namen und erkennt plötzlich, dass damals nicht alles so düster war wie wir oft glauben.
Bullet

Was sollte ich beachten (Gesetze)?


Wie bei fast allem muss man auch bei der Ahnenforschung einige Richtlinien und Gesetze einhalten. Da es bei der Ahnenforschung hauptsächlich um das Sammeln und Verknüpfen von Daten wie Namen, Geburtsdaten oder Adressen geht, ist ein wichtiger Punkt der Datenschutz. Besonders aufpassen muss man bei der Veröffentlichung der Daten, damit andere Forscher/Interessierte sie einsehen können (ihr solltet die Ergebnisse ins Internet hochladen aber dazu später mehr). Da sich im Stammbaum meist auch persönlichen Daten der lebenden Verwandtschaft ansammeln, muss sichergestellt werden, dass diese geschützt werden. Das unfreiwillige Hochladen persönlicher Daten kann nicht nur zur ungewollten Preisgabe intimer Details führen, sondern auch Strafen nach sich ziehen. Jetzt keine Angst bekommen, schwer ist es nicht die Daten entsprechend aufzubereiten. Seriöse Programme und Anbieter haben heutzutage auch Schutzmechanismen die einem helfen die Gesetze einzuhalten. Der Grundsatz zum Schutz ist: Keine Daten (weder Vornamen, Datumsangaben oder Adressen) von lebenden Personen weitergeben. Wenn ihr an einem Punkt angelangt seid, wo ihr eure Ergebnisse veröffentlichen/weitergeben möchtet, könnt ihr hier nachlesen, wie ihr die Daten bearbeiten könnt, um den Datenschutz zu gewährleisten.
Links zu relevanten Gesetzen:
Bullet

Welche Quellen gibt es?


Hier ist die Antwort einfach: ALLES. Das hört sich vielleicht zu einfach an aber dies sollte euer Ziel sein. Am Anfang fragt man sich oft was man denn mit scheinbar unwichtigen Informationen wie einem Rechnungsbetrag für eine Milchkanne oder dem Namen eines Nachbarn vom Ururgroßvater anfangen soll. Je nach Familie und Forscherdrang ist man aber früher oder später an einem Punkt angekommen, wo einem diese Daten retten können. Ein Beispiel hierzu:
Es könnte z.B. sein, dass ihr von einem Verwandten zwar einen Namen besitzt, aber weder Geburts- noch Todesdatum kennt. Dank der heute verfügbaren Datenbanken im Netz findet ihr evtl. 2 infrage kommende Personen mit diesem Namen die jeweils 1811 und 1814 gestorben sind. Wie die korrekte Person bestimmen? Hier kommt die bisher unbeachtete Rechnung ins Spiel. Vielleicht habt ihr Glück und auf der Rechnung steht ein Datum (z.B. 1813) womit eine der Personen sofort ausgeschlossen werden kann. Sollte auf der Rechnung kein Datum stehen, kann sie aber dennoch weiterhelfen, da der Betrag für die Milchkanne z.B. in Reichsbanktaler angegeben ist. Wenn man rausfindet, dass diese Währung erst 1813 eingeführt wurde, kann eine Person wieder ausgeschlossen werden. Eine kleine Auflistung von mir bekannten Quellen gibt es in der Quellenübersicht zu sehen.
Bullet

Was für Daten sollte ich sammeln?


Am Anfang eurer Arbeit werden meist die lebenden Verwandten zur wichtigsten Quelle. Mit etwas Glück habt ihr aber auch Unterlagen oder eine ganze Urkundensammlung gefunden? Eine detaillierte Beschreibung der verschiedensten Quellen und möglicher Inhalte findet ihr hier aber erst mal etwas zur Zuverlässigkeit einer Quelle. Wie jeder sicher schon im Alltag bemerkt haben wird, gibt es keine 100% zuverlässigen Fakten. Die Freunde erzählen etwas anderes als die Tageszeitung, die Zeitung etwas anderes als die Politiker und was wirklich passiert ist, erfährt wohl nie jemand. Dies ist bei der Ahnenforschung nicht anders. Aus diesem Grund sollte man für alle Quellen die Zuverlässigkeit kenne und auch vermerken. Nur so ist es euch (oder anderen) möglich Widersprüche zu bewerten und aufzulösen. Ein paar Punkte, die man bedenken sollte:

  • Daten ohne Original sind wertlos und das Internet ist keine Quelle: Selbstverständlich ist das Internet heute eine gute Hilfe für die Forschung aber eine zuverlässige Informationsquelle ist es leider nicht. Verwendet das World Wide Web nur um andere (echte) Quellen zu finden. Ein schönes Beispiel dazu direkt aus meinem Stammbaum: Ich komme bei einem meiner Vorfahren nicht weiter, finde mit einer Suchmaschine aber 3 Privatleute, die diese Person (Namen, Ort und Jahr passt) in ihrem Stammbaum haben. Alle 3 haben keine Quelle angegeben. Ich habe alle 3 daraufhin angeschrieben um weitere Informationen zu erhalten, ihre Quelle zu erfahren und bei Übereinstimmung mit meiner Person auch meine Daten zu teilen (incl. gescannte Originale) . Dabei kam etwas Erschreckendes raus: Person 1 hatte es im Netz bei Person 3 von der Homepage kopiert (ohne Prüfung). Person 3 hat es ebenfalls bei Person 2 aus dem öffentlichen Stammbaum abgeschrieben (ohne Prüfung). Damit blieb Person 2 als letzte Hoffnung und evtl. echte Quelle übrig. Erst nach meiner 2. Mail erfuhr ich von dort, dass man nicht mehr wüsste, woher die Daten stammen. »Es müsse im Internet zu finden sein, da man keinerlei Originale besitze« war die Antwort. Daraufhin war diese Spur versiegt. Solche Angaben nie übernehmen, da sie einem die falsche Person in den Stammbaum einfügen kann. In einer Stadt wurden auch 1700 schon 2 Menschen mit gleichen Namen geboren. Hier zu raten, nur weil Name, Stadt und Geburtsdatum passt, ist keine Forschung sondern darf getrost als Pfusch bezeichnet werden. Dies bedeutet nicht, dass ihr euch diese Informationen nicht als Ausgang für eine bessere Suche aufschreiben könnt. In den Stammbaum übernehmen sollte man es aber nur mit einer echten Quelle. Wenn man dennoch der Meinung ist, dass man solche Daten aufnehmen sollte, vermerkt zumindest die Herkunft mit URL und dem Status ‚fragwürdig’.
  • Erzählungen von Verwandten sind oft nicht so korrekt, wie man glaubt: Auch wenn es sich vielleicht komisch anhört: Vertraut keinem Angehörigen und glaubt nichts, was ihr nicht schwarz auf weiß als Original(-Kopie) besitzt. Das menschliche Gehirn ist anscheinend nicht wirklich geeignet, um Fakten 100% korrekt zu speichern. Ohne dass man es merkt, werden Erfahrungen vermischt, abgewandelt oder gar hinzugedacht. Auf Nachfrage wird einem garantiert, dass es damals ganz sicher so war. Wenn man ein Foto oder eine Urkunde findet, wird man überrascht sein, wie viel von dieser Aussage tatsächlich stimmt. Ein gutes Beispiel der menschlichen Unfähigkeit sind hier auch Zeugen bei Unfällen etc. Selbst wenn alle Menschen es wirklich gut meinen bitte diese Quellen als FRAGWÜRDIG einstufen. Ich habe bei mir diverse Aufzeichnungen, Briefe und Niederschriften von Verwandten mit Daten die nicht stimmen können und dies betrifft teilweise sogar die eigenen Geburtsdaten(!) des Aufzeichnenden. Persönliche Erinnerungen (egal ob erzählt oder schriftlich festgehalten) sind ein wahrer Schatz an Informationen aber leider auch genauso oft fehlerhaft. Selbst die Existenz eines Onkels oder einer Schwester wird ausgeschlossen (‚Wir waren immer nur zu 3.’) obwohl man Geburts- und Taufeinträge vorweisen kann. Insofern nochmals der Hinweis: Alles Aufschreiben um von dort nach Quellen zu suchen jedoch nichts als Fakt hinnehmen!
  • Auch früher machte man Fehler: Die wichtigsten Quellen sind Originaldokumente oder Kopien aus Kirchenbüchern, Standesämtern oder sonstige Urkunden. Diese Quellen darf man sicher als ‚1. Hand’ ansehen und auch als zuverlässig einstufen. Irgendjemandem muss man ja am Ende glauben. Aber wundert euch nicht, falls es auch hier einmal zu Unstimmigkeiten kommt. Es ist noch nicht so lange her, dass die Bevölkerung lesen und schreiben kann. Insofern konnten die Verwandten vor 150 Jahren oft nicht überprüfen, ob der Geistliche tatsächlich ihren Namen eingetragen hat. Es ist nur menschlich das bei der 100. Eintragung ein Schreibfehler passiert oder ein Tag verwechselt wurde. Und auch früher fand die Urururoma vielleicht den Nachbarn nett oder das Dienstmädchen hat ihr Kind weitergegeben. Ich rätsle z.B. noch an eindeutigen Geburts-/Taufeinträgen für 2 Vorfahren, die innerhalb von wenigen Monaten geboren wurden. Diese Einträge widersprechen allen bisher bekannten biologischen Regeln wurden damals aber so in die Kirchenbücher aufgenommen.

Bedenkt bitte immer, dass ihr die Arbeit nicht nur für euren eigenen Stammbaum macht. Über kurz oder lang werdet ihr an einem Punkt ankommen, wo man in der Gemeinschaft im Netz mehr Erfolg hat. Hier muss ich aber leider aus eigener Erfahrung feststellen, dass viele Angaben in privaten Stammbäumen nicht stimmen können und oft keine Quellen vermerkt sind. Deshalb bitte für alle noch so unwichtigen ‚Fakten’ angeben, woher sie stammen und wie zuverlässig diese Quelle ist. Und hier nicht werten (‚Meine Mutter ist immer zuverlässig‘) sondern physikalische Eigenschaften bewerten. Ein Foto verändert den Inhalt nicht, ein Gehirn im Laufe der Zeit schon, auch wenn wir dies oft nicht glauben wollen. Im Zweifel die Quelle eher als unzuverlässig einstufen damit andere angeregt werden dies nochmals zu prüfen. Und macht euch bereit für die Rätsel: Früher oder später werdet ihr bei der Erforschung eurer Vorfahren auf widersprüchliche Daten treffen. Aus diesem Grund immer alle Quellen vermerken, selbst wenn man schon die 20. Bestätigung für ein Geburtsdatum erhält. Gibt es danach einen 21. Eintrag mit einem anderen Datum, ist es ein Unterschied, ob man bisher nur ein Datum auf einem Zettel stehen hat oder dieses Datum 20x bestätigt hat.

Bullet

Wie erfasse ich meine Daten am besten?


Da ihr diesen Text höchstwahrscheinlich gerade im Internet lest, seit ihr sicher mehr an den digitalen Möglichkeiten interessiert. Ich möchte aber dennoch kurz erwähnen, dass ein paar Zettel und Stifte ausreichen. Man kann die Ahnenforschung grob in 3 Teile aufteilen:
  • Sammeln von Informationen mit dem Ziel etwas Neues zu finden: Da es hier nur darum geht neue Ideen zu sammeln oder neue Möglichkeiten zu suchen ist an dieser Stelle tatsächlich noch Stift und Block ein gutes Werkzeug. Natürlich geht an dieser Stelle auch ein Textverarbeitungsprogramm oder spezielle Mindmapping Programme. Hier hat jeder seine Vorlieben und es soll ja auch Spaß machen. Wenn man Fakten wie z.B. ein Geburtsdatum zu Tage fördert, gehören diese natürlich sofort der Person zugeordnet, was in Punkt 2 beschrieben wird. Oft findet man aber nur vage Hinweise oder Möglichkeiten. Z.B. der Name eines Taufzeugen, der oft zur Familie gehörte oder die Erwähnung eines Unglücks, bei dem der Verwandte betroffen war. Da es zu diesen Anhaltspunkten oft noch keine Person im Stammbaum gibt, benötigt man ein getrenntes Medium, auf dem all diese Daten erfasst werden. Dies kann bei einer reinen Onlinesuche auch eine entsprechende Bookmarkliste oder Webseite sein.
  • Daten zu den Ahnen oder Forschungsgebiet festhalten: Ist man soweit, dass man etwas über einen bekannten Vorfahren erfahren hat, sollte dies auch aufgeschrieben werden. Hier bieten sich im digitalen Zeitalter 2 Möglichkeiten an. Je nach Vorliebe und Geldbeutel sind dies entweder Onlineportale oder spezielle Software. Ich persönlich nutze die Vorteile beider Varianten. Eine Software für die Verwaltung aller Daten, da man so schneller Informationen eingeben kann und zudem problemlos persönliche Daten erfassen kann. Alle paar Wochen exportiere ich die Daten dann in einem Standardaustauschformat und lade sie, nach einer automatischen Bereinigung persönlicher Daten, ins Internet hoch. So stelle ich sicher, dass meine Ergebnisse zu finden sind und ich Hinweise zu anderen Übereinstimmungen bekomme. Hier muss jeder alleine entscheiden, welche Variante infrage kommt.
    Onlineportale: Da es viele Onlineportale gibt (Portalübersicht), die einem die Erfassung der eigenen Daten erlaubt, ist eine Auswahl nicht ganz einfach. Diese Portale unterscheiden sich im Umfang der Möglichkeiten, Bedienbarkeit, Preis und auch Seriosität. Ein Vorteil der Onlineportale ist der automatische Abgleich mit anderen Benutzern. So bekommt man vielleicht schon beim Hinzufügen eines Vorfahren neue Hinweise präsentiert. Hier aber bitte immer an die fehlende Zuverlässigkeit dieser Quellen denken und solche Vorschläge nur nach Erhalt der zuverlässigen Quelle übernehmen. Ein großer Nachteil der Onlineportale ist oft ein fehlender Datenschutz und die Abhängigkeit vom Anbieter. Unbedingt beachten sollte man hier auch die Möglichkeit eines Datenexportes im GEDCOM-Format. Wenn man sich nach einem Jahr harter Arbeit doch für eine eigene Software entscheidet, möchte man sicher nicht alles erneut eingeben müssen.
    Software: Hier gibt es alles von kostenlosen Open Source Lösungen bis zu teuren Profilösungen für die Wissenschaft. Da selbst die schlechteren Programme meist mehr Möglichkeiten als die Onlineportale besitzen, kommt es hier mehr auf die Vorlieben bei der Bedienung an. Immerhin soll die Ahnenforschung ja Spaß machen und das fängt bei der Benutzung der Software an. Hier muss man am Anfang ein paar Stunden investieren und sich die verschiedensten Programme als Testversion ansehen. Solange diese Programme den GEDCOM-Standard unterstützen, kann man später auch jederzeit wechseln sollten sich die Anforderungen ändern. Einige der Programme unterstützen oder verwalten auch gleich die Medien (gescannte Originale, Bilder ...) mit und können teilweise sogar Personen mit Bildbereichen verknüpfen. Je nach Programm kann man auch direkt per Mausklick in den bekannten Onlineportalen nach weiteren Informationen suchen lassen oder die Ergebnisse fertig für eine Stammbaum-Druckerei exportieren. Eine kleine Übersicht über verfügbare Softwareprodukte findet ihr in meiner Übersicht der Genealogieprodukte.
  • Die gesammelten Daten aufbereiten, zeigen und veröffentlichen: Auch wenn man nie fertig ist, wird eines Tages ein Punkt erreicht sein, an dem man zufrieden mit seinen bisherigen Ergebnissen ist. Am Ende möchte man seine Ergebnisse normalerweise auch mit anderen Menschen teilen. Dies kann auf die verschiedensten Arten geschehen. Als gedruckter Stammbaum im A0-Format an der Wand oder in Form eines Buches ‚Die Geschichte meiner Familie’. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Da man bei der Suche nach Informationen sehr viel Neues lernt, beginnt man auch oft sich für andere Themen zu interessieren. Die gesammelten Daten bringen Erkenntnisse über das Leben vor ein paar Hundert Jahren und mit Glück habt ihr sogar (entfernte) Verwandte gefunden. Dies ist nicht so unwahrscheinlich, wie man zunächst denken mag.
Fortsetzung folgt demnächst.... Kommentare oder Vorschläge bitte gerne über die Kontaktseite an mich.